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Sozialministerin
Weber ist von ihrem Amt zurückgetreten. Ministerpräsident Milbradt nannte
als Grund ihren kritischen Gesundheitszustand. Weber habe ihn am Dienstag
in einer Erklärung um diesen Schritt gebeten. Einen Nachfolger benannte er
nicht, kündigte aber Gespräche an.
Weber befindet sich
derzeit wegen psychischer Probleme in Behandlung. Die Ministerin hatte am
Pfingstsonntag einen Nervenzusammenbruch erlitten.
Milbradt hatte sich in den vergangenen Tagen mehrfach öffentlich hinter
Weber gestellt und nach eigenen Aussagen keinen Grund für ihre Entlassung
gesehen, da sie in ihrem Antrag auf Fördermittel wahrheitsgemäße Angaben
gemacht und zudem die Gelder zurückgezahlt habe.
Weber strich wider
besseren Wissens Fluthilfe-Gelder ein
Weber hatte im Oktober vergangenen Jahres sowie im April dieses Jahres
insgesamt rund 17.000 Euro Fluthilfe für Schäden an ihrem Privathaus in
Zschopau erhalten. Diese waren jedoch durch Regenwasser und nicht durch
Hochwasser entstanden. Für solche Fälle gab es zum Zeitpunkt des ersten
Antrags von Weber im Oktober 2002 noch keine klare Regelung. Weber erhielt
rund 10.000 Euro. Zwei Tage nach Bewilligung ihres Antrags durch die
Sächsische Aufbaubank (SAB) schloss das Innenministerium den finanziellen
Ausgleich für Schäden durch Oberflächenwasser aus. Trotzdem stellte Weber
im April einen Nachfolgeantrag, der von der SAB auf Grund der ersten
Bewilligung ebenfalls genehmigt wurde.
Opposition: Rücktritt
längst überfällig"
Für die Opposition im sächsischen Landtag kommt der Rücktritt der
Ministerin zu spät. SPD-Fraktionschef Jurk sagte, Milbradt hätte nie
zulassen dürfen, dass sich Webers Affären zu einer menschlichen Tragödie
entwickelten. PDS-Fraktionschef Porsch warf Milbradt vor, mit seiner
späten Entscheidung dem Ruf Sachsens gerade bei dem sensiblen Thema
Fluthilfe beschädigt zu haben. Die FDP sprach von einer "in weiten Teilen
unwürdigen öffentlichen Diskussion". Alle Parteien halten eine allgemeine
Kabinettsumbildung für notwendig.
Einzige Frau im
Kabinett
Die CDU-Politikerin war seit 1994 im sächsischen Landtag. 1999 im
Biedenkopf-Kabinett zur Ministerin für Gleichstellung. Nach dem Wechsel an
der Regierungsspitze berief sie der neue Ministerpräsident Milbradt zur
Sozialministerin. Außerdem ist Weber zugleich stellvertretende
CDU-Landeschefin. Von Beruf ist die Mutter dreier Kinder Zahnarzthelferin.
Christine Weber -
Kurzporträt
Christine
Weber war schon im alten Kabinett Biedenkopf die einzige Ministerin. Sie
stand an der Spitze des Staatsministeriums für Gleichstellung von Frau und
Mann. Da hier nur eine Handvoll Mitarbeiter beschäftigt war, wurde oft die
Frage aufgeworfen, ob ein eigenständiges Ressort überhaupt sinnvoll ist.
Nach der Bildung der
Regierung Milbradt übernahm Weber das Ressort Gesundheit und Soziales. Sie
ersetzte Hans Geisler, dessen Arbeit auch von der Opposition geschätzt
wurde, der aber in einer Regierung Milbradt nicht mitwirken wollte. Da
Weber Milbradt in den parteiinternen Auseinandersetzungen vehement
unterstützt hatte, sprachen Kommentatoren seinerzeit unverhohlen aus, dass
Milbradt überhaupt keine andere Wahl blieb, als Weber das
Sozialministerium zu überlassen.
Zunächst im
Gesundheitswesen tätig
Christine Weber (53) wurde im Erzgebirgsort Zschorlau geboren. Sie
absolvierte eine Berufsaufbildung als Zahnarzthelferin. In diesem Beruf
war sie bis 1970 in der Poliklinik von Aue tätig. Von 1970 bis 1976
arbeitete sie dann als Sachbearbeiterin beim Rat des Kreises Zschopau.
Hier wurde ihr nach eigener Angabe gekündigt, weil sie 1976 nicht an der
Volkskammerwahl teilgenommen hatte.
Es folgten nach eigener Angabe neun Jahre Heimarbeit sowie ab 1985 eine
Tätigkeit als Revisor bei der Sozialversicherung. Dem Handbuch
"Sächsischer Landtag" ist außerdem zu entnehmen, dass Weber einen
Abschluss als "Diplom-Betriebswirtin" erwarb.
1990 übernahm sie die Aufgaben einer Dezernentin für Gesundheit und
Soziales beim Landratsamt Zschopau. Zugleich fungierte sie als erste
Stellvertreterin des Landrates. 1991 trat Christine Weber der CDU bei.
Seit 1995 gehört sie dem Landesvorstand der sächsischen CDU als
stellvertretende Landesvorsitzende an.
Parteigängerin
Milbradts
Das Ministeramt wurde ihr im Oktober 1999 übertragen. Zuvor hatte sie seit
1994 - damals wurde sie erstmals in den Landtag gewählt - als
sozialpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion gearbeitet. Christine
Weber hatte sich über die seinerzeitige Entlassung des Finanzministers
Milbradt enttäuscht geäußert und dessen Kandidatur für den Landesvorsitz
und das Ministerpräsidentenamt nachdrücklich unterstützt.
Versuche des früheren Staatskanzleichefs Brüggen, sie durch Druck zum
Verzicht auf solche Erklärungen zu bewegen, machte sie öffentlich. Im
Jahre 2002 war Christine Weber im eigenen Kreisverband Mittlerer
Erzgebirgskreis in die Kritik geraten, weil sie angeblich den von ihrem
Kreisverband favorisierten Bewerber für ein Bundestagsmandat nicht
genügend unterstützt haben soll.
Am Ende ihrer
Amtszeit schwere Vorwürfe
Für Ihren Rücktritt am 18. Juni 2003 gab Weber gesundheitliche Gründe an.
Ihrer Erkrankung waren allerdings schwere Vorwürfe vorausgegangen.
So hatte Weber nach der Flut im Sommer 2002 im Oktober 2002 und im April
2003 mehr als 17.000 Euro Fluthilfe für Schäden an ihrem Privathaus in
Zschopau beantragt und erhalten. Das Haus hatte aber nur Schäden durch
Regen- und Oberflächenwasser erlitten. Die Hilfen wären aber nur zulässig
gewesen, wenn das Haus unmittelbar durch Hochwasser geschädigt worden
wäre. Die Sozialministerin hat das Geld inzwischen zurückbezahlt.
Nach diesen Vorwürfen tauchten weitere Vorhaltungen auf. So soll sie auch
Dienstwagen und Diensthandy für private Zwecke genutzt haben. Aufgeklärt
sind die Vorwürfe nicht. Die Affäre hatte insbesondere im eigenen
CDU-Kreisverband für Spannungen und Rücktrittsforderungen gesorgt.
Quelle:
www.mdr.de |