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Jeder neunte
Bewohner unmittelbar vom Hochwasser betroffen
Etwa 14.000 Einwohner und etwa 500 Unternehmen sind im Muldentalkreis
durch das Hochwasser geschädigt worden. Das wird in einer ersten
Bilanz des Landkreises über die materiellen Schäden festgestellt.
Zerstörungen gibt es auch an den Verkehrswegen. So wurde die
Pöppelmann-Brücke über die Mulde bei Grimma schwer beschädigt.
Ebenfalls gesperrt ist die Mulde-Brücke bei Wurzen. Sie soll aber Ende
September wieder befahrbar sein.
Ein Bahnverkehr zwischen Großbothen und Leisnig im Tal der Freiberger
Mulde ist derzeit nicht möglich. Auch die Linie von Großbothen bis
Glauchau wird nach dem Unwetter komplett vom Schienenersatzverkehr
übernommen.
Die schwersten Schäden erlitten die Kreisstadt Grimma und die Gemeinde
Bennewitz. In diesen beiden Orten gab es mehr als zwei Drittel aller
Zerstörungen im Kreis.
In Grimma nahmen nach ersten Schätzungen 450 bis 500 Häuser Schaden.
Darunter sind sich auch zahlreiche öffentliche Gebäude wie das
Rathaus, die Klosterkirche und das Gymnasium St. Augustin. Elf Häuser
mussten bereits wegen akuter Einsturzgefahr abgetragen werden.
Unter den Hochwasserfolgen leiden auch weit mehr als 200
Gewerbebetriebe. Darunter befinden sich zahlreiche
Handelseinrichtungen.
Zur Zerstörung der Grimmaer Infrastruktur fehlen noch exakte Zahlen.
Erste Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als zwei Kilometer Straße
neu gebaut werden müssen. Mehr als zweieinhalb Kilometer Straße sind
vollständig oder teilweise unterspült. Außerdem gibt es Zerstörungen
an Fußwegen und Gassen auf einer Länge von dreieinhalb Kilometern.
Die Gasversorgung wird in Grimma nach Einschätzung des Landratsamtes
"noch einige Zeit" gestört sein. Schlamm und Sperrmüll seien jedoch so
gut wie komplett abgetragen.
Im Grimmaer Ortsteil Höfgen wurden riesige Mengen Treibgut angespült.
Nach ersten Schätzungen müssen 3000 Tonnen weggeräumt werden. Neben
der Pöppelmann-Brücke, bei der zwei Pfeiler zerstört wurden, wurde
auch die Grimmaer Hängebrücke für Fußgänger stark beschädigt.
In der 5000-Einwohner-Gemeinde Bennewitz und ihren Ortsteilen Schmölen,
Deuben, Grubnitz, Nepperwitz, Pausitz und Rothersdorf erlitten fast
600 Gebäude Hochwasserschäden. Sechs von ihnen sind einsturzgefährdet,
weitere sechs unbewohnbar. Daneben gab es auch bei etwa 100
Gewerbebetrieben Zerstörungen. In Mitleidenschaft gezogen wurden zudem
sämtliche öffentlichen Gebäude der Gemeinde.
Die Strom- und Wasserversorgung funktioniert nach Angaben des
Landratsamtes wieder zu 80 Prozent. Das große Bennewitzer
Gewerbegebiet ist vorerst nur provisorisch an das Wassernetz wieder
angeschlossen worden. Noch ist der Grundwasserstand zu hoch, um
Wasserflächen im Ort abpumpem zu können.
Aber auch die anderen Dörfer im Tal der Freiberger, der Zwickauer und
der vereinigten Mulde hat das Hochwasser stark getroffen. Allein in
der Gemeinde Zschadraß - konkret in den Ortsteilen Tanndorf, Podelwitz,
Maaschwitz und Erlln - 124 Wohngebäude durch das Hochwasser Schaden
genommen. Fünf bis zehn Gebäude sind teilweise oder völlig zerstört.
Neun Familien haben ihr Obdach verloren - sie fanden bei Verwandten
oder in Zschadraß eine Unterkunft.
Schwere Zerstörungen bilanziert der Bericht auch für Großbothen mit
den Ortsteilen Förstgen, Kössern, Sermuth und Kleinbothen. Hier gibt
es Hochwasserschäden an 145 Gebäuden. Während fünfzehn Häuser
reparable Schäden am Bauwerk aufweisen, müssen zehn andere Gebäude
abgerissen werden.
Im Nerchauer Ortsteil Golzern wurden nur einige wenige Wohngebäude in
Mitleidenschaft gezogen. Schäden gab es vor allem an der Papierfabrik
Golzern, am Futtermittelwerk und an der Krepp-Fabrik. An den beiden
zuerst genannten Betrieben sind die ersten Aufräumungsarbeiten noch
nicht abgeschlossen.
Schwere Zerstörungen weisen auch die Stadt Trebsen und ihre Ortsteile
auf: Im Ortsteil Wednig sind alle Häuser am Ufer der alten Fähre
weggespült worden. In der Siedlung Neichen wurden 36 Wohngebäude vom
Hochwasser überflutet - die Hälfte davon gilt als unbewohnbar.
Außerdem erlitten 33 Gewerbebetriebe Schäden. In Trebsen selbst sind
40 Wohngebäude wegen des Hochwassers nicht mehr bewohnbar. Vier
Einfamilienhäuser gelten als akut einsturzgefährdet. Unbenutzbar ist
derzeit auch die Muldebrücke bei Trebsen - hier sind Straßenschäden
die Ursache. Diese Brücke soll voraussichtlich Mitte Oktober wieder
frei gegeben werden.
In der Kleinstadt Colditz gab es Beschädigungen an etwa 150 Gebäuden.
Allerdings ist keines dieser Häuser einsturzgefährdet. In Colditz
wurden außerdem 43 Gewerbebetriebe in Mitleidenschaft gezogen.
Eine größere Zahl von Wohnhäusern wurde ebenso in den Ortsteilen der
Gemeinden Thallwitz, Kühren und Machern in Mitleidenschaft gezogen.
Die Stadt Wurzen, wo im Ortsteil Dehnitz die Fähre weggespült wurde
und vier Grundstücke Schäden erlitten, blieb zumindest in der
Innenstadt von größeren Verlusten verschont. Das für die Leipziger
Wasserversorgung wichtige Werk in Canitz konnte dank des Einsatzes
zahlreicher Einsatzkräfte vor den Fluten gerettet werden.
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