"Die Döbelner Privatinitiative Helft-Sachsen.de legt Roßwein ein Rigipsei vor Ostern"

 


 

11.04.2003 Marktplatz Roßwein 8.15 Uhr

 

Im November 2002 bat Helft-Sachsen.de (vertreten durch Bill Lange www.quickfolien.de) die Firma Rigips (www.rigips.de) um Hilfe beim Trockenausbau für Flutopfer der Jahrhundertkatastrophe 2002. Die Firma Rigips sicherte Hilfe sofort zu. Nach Absprache warteten wir gemeinsam die Wintermonate ab, um die Hilfe gezielt und zeitlich richtig einsetzen zu können.

Am 10.04.2003 startete unsere Aktion nun in 3 Standorten der Firma Rigips. Auf 10 LKWs wurden Rigipsplatten, Profile und Dämmmaterial verladen. Ein so genanntes Komplettpaket für den Trockenausbau. Insgesamt reicht dies, nach Aussage der Firma Rigips, für den Ausbau von ca. 400 Wohnungen. 10 Uhr früh morgens wurden die LKW in den Standorten Schwerte, Scholven und Brieselangbeladen beladen und machten sich auf den Weg nach Sachsen. Bis tief in die Nacht hinein wurde gefahren, schließlich mussten 600 km "abgespult" werden. Treffpunkt in Sachsen war der Autohof Döbeln Nord. Dort trafen sich dann die Fahrer mit Frank Weigelt (Leiter Marketing-Kommunikation der Firma Rigips) und den Helft-Sachsen.de Reportern Markus Schuster und Jens Richter. 7 Uhr wurden dann die letzten Vorbereitungen für den LKW-Einmarsch in Roßwein eingeleitet. Schon auf dem Autohof zog der Konvoi die Blicke der Zuschauer auf sich, als Lokal TV und die Bildzeitung ihre Kameras auspackten und den Dreh begannen. 8 Sattelzüge hatten wir hier zusammengezogen - 2 warteten vor den Toren Roßweins. Autofahrer fragten spontan "Was ist denn hier für ein Presserumel" 7.45 Uhr nahm dann der Rigipszug seine Fahrt nach Roßwein auf. Über die A14 wälzte sich die Kolonne gerade seinem Ziel entgegen, als sie von "Giese und CO von Hitradio Antenne Sachsen" im Radio begrüßt wurden. Verkehrs-Ingo meldete viertelstündig im Verkehrsfunk: "Staustufe GELB-Von 8-10 Uhr kommt es in Roßwein zwischen Marktplatz und Döbelner Straße zu einem erfreulichen Stau. Hier treffen 10 x 40 Tonner LKWs mit Baumaterial ein." Wie Recht er doch hatte!!!

Unsere Aktion führte zu einer positiven Stau-Erscheinung in und für Roßwein.

Kurz vor den Toren Roßweins trafen wir dann auf die letzten 2 LKWs. Nun war unser Konvoi komplett. Bedenkt man, dass ein 40 Tonner eine Länge von 21 Metern hat, kann man sagen "Unsere Kolonne sind 210 Meter LKWs am Stück" - Wahnsinn. 8.05 Uhr gingen wir die letzten 2 Kilometer an. Die Stadtverwaltung Roßwein rief uns mehrfach aufgeregt an, da sich durch die Pressemeldungen der letzten Tage, auf dem Marktplatz mehrere Einwohner versammelt hatten. Als wir uns dann 8.15 Uhr durch die engen Straßen von Roßwein schlängelten wurden wir hocherfreut begrüßt. Einige Einwohner standen mit ihren Videokameras da und konnten es nicht fassen, was da auf sie zukam.

Helft-Sachsen.de hatte auch den Ministerpräsident Prof. Dr. Georg Milbradt eingeladen. Von seinem Terminbüro erfuhren wir jedoch schon 4 Wochen zuvor, dass er an diesem Tag zur Bundesratssitzung nach Berlin muss. Die Staatskanzlei und der Wiederaufbaustab wollten aber dennoch eine sächsische Persönlichkeit schicken. 3 Wochen warteten wir, telefonierten wir, erklärten, warum jemand kommen soll, gaben Zahlen und Informationen bekannt und erhielten am 09.04.2003 von der Leitstelle Wiederaufbau der Staatskanzlei in Dresden folgende E-Mail:

Sehr geehrter Herr Richter,

Herr T... ist leider erkrankt und ich kann zu Ihrem Vorgang keinerlei Unterlagen finden. Sollte die Thematik bis nächste Woche noch Zeit haben, würde ich Sie gern dahingehend vertrösten wollen.

3 Tage vor der Aktion vertröstet man uns auf die nächste Woche! Sehr schade...

Im übrigen muss man aber sagen, dass so manche Behörde deutlich sichtbar macht, warum viele Mitarbeiter gebraucht werden, denn unsere Anfrage ging 3 Wochen lang über 10! Arbeitsplätze hin und her und her und hin.

Am 10.04.2003 (einen Tag vor unserer Aktion) erhielten wir 9.52 Uhr einen Anruf der Leitstelle Wiederaufbau.

Man teilte uns mit (was wir schon seit 4 Wochen wussten): "Der Ministerpräsident kann nicht kommen und auch die eigene Leitstelle Wiederaufbau (diverse Staatssekretäre und Landräte) kann keinen Vertreter nach Roßwein schicken, da am Freitag eine wichtige Sitzung stattfindet." Wirklich keiner?

Dass es auch anders geht, bewies der Landrat des Kreises Döbeln, Herr Dr. Manfred Graetz. Ihn informierten wir 3 Tage vor der Aktion. Er sagte, dass er eine wichtige Sitzung bei der Leitstelle Wiederaufbau in Dresden hat, aber: "Kein Problem, ich sage denen, dass ich 1 Stunde später komme, da dies hier eine wichtige Sache ist".

Ironie des Schicksals: Es war die selbe "wichtige Sitzung", weshalb alle anderen Volksvertreter für uns nicht ansprechbar waren. Auch Wirtschaftsminister Gillo (Schirmherr der Hochwasserregion Döbeln) fand nicht die Zeit, unsere wirklich bedeutende Aktion

zu begleiten und uns damit ein Forum in den Medien (überregionale Presse, Funk und Fernsehen) zu geben. Die Aktion hätte es wahrhaft verdient.

Wir denken Herr Dr. Manfred Graetz hat diese Entscheidung nicht bereut. Helft-Sachsen.de Chef Jens Richter empfing ihn mit den Worten: "Wir haben uns vorgenommen den Marktplatz von Roßwein mit LKWs voll zu stellen und ich denke wir haben Wort gehalten." Sichtlich platt antwortete er: "So etwas habe ich noch nicht gesehen." Bürgermeister Veit Lindner: "Das gab es noch nie."

Frank Weigelt übereichte Dr. Manfred Graetz und Veit Lindner (im Bild von links nach rechts) symbolisch eine Rigipsplatte im Geschenkformat.

Anschließend wurde Herr Weigelt im Büro des Bürgermeisters über die Zeit nach der Flut in Roßwein informiert. Das kleine Flüsschen Mulde hatte sich am 13. August 2002 für wenige Stunden in einen reißenden Strom verwandelt, der in Roßwein die Gebäude der gesamten unteren Uferstraße zerstörte oder so schwer beschädigte, dass sie durch den Einfluss des Frostes im langen Winter 2002/2003 endgültig zu Abrissobjekten wurden. Über 120 Wohngebäude wurden zerstört oder beschädigt. Ein Gesamtschaden von rund 53 Mio Euro entstand allein in der Gemeinde Roßwein und den umliegenden Dörfern. In der Nachbargemeinde wurden drei große, für den allgemeinen Verkehr genutzte Brücken über die Mulde weggerissen, deren Wiederaufbau den Landkreis bis heute beschäftigt. Bürgermeister Veit Lindner ist sich sicher: „Hilfsaktionen wie diese schweißen Ost- und Westdeutschland endgültig zusammen. Es macht uns allen hier eine Gänsehaut, wenn wir Hilfe von Menschen und Unternehmen bekommen, für die wir doch eigentlich Fremde sind. Das ist einfach wunderbar.“ Als er am Morgen des 14. August 2002 durch Roßwein gegangen ist, hat er befürchten müssen, diese zerstörte Gemeinde nie wieder herstellen zu können. Heute weiß er, dass Roßwein in neuem Glanz erblühen wird und dank der vielen Hilfe aus allen Teilen der Bundesrepublik alle bleiben können, die sich hier zuhause fühlen.

Das die Spende der Firma Rigips nur unter strenger Kontrolle ausgegeben wird sicherte die Stadt Roßwein zu. Nur Flutopfer die das Material dringend benötigen werden damit bedacht. So werden zum Beispiel auch im Vorfeld Vermessungen durchgeführt und nur so viel Material wie nötig ausgeliefert. Benachbarte Gemeinden können sich bei Helft-Sachsen.de (jens@helft-sachsen.de) melden und benötigtes Material beantragen.

Im Vorfeld der Aktion prüfte die Stadt Roßwein bereits bei einigen Anwohnern den Bedarf. So konnte bereits am Freitag (11.04.2003) an erste Familien Material ausgehändigt werden.

Die Roßweiner Zoohändlerin Maritta Riedel war eine der ersten 20. Ihr wurde bei der Flut im August 2002 das Wohnhaus und Ihr Geschäft verwüstet. Freudestrahlend stieg sie für unseren Fotographen auf den Stapel mit Rigipsplatte, so als wollte sie sagen: Die sind meine.

Helft-Sachsen.de wird in den nächsten Wochen den Ausbau der Wohnungen in Roßwein beobachten und davon berichten. Die Frage: "Wie ergeht es Frau Riedel und anderen Familien???", wird auf diesen Seiten demnächst beantwortet.

Das gesamte Team von Helft-Sachsen.de möchte auch der Spedition Uhlhorm (www.uhlhorn.de) recht herzlich danken. Die Stammspedition der Firma Rigips zögerte keinen Moment und sagte uns den kostenlosen Transport zu. Frank Weigelt (Rigips) sagte uns schon am 10.04.2003 in einem Interview [lesen], dass jeder Mitarbeiter der Firma hinter der Aktion steht. Dies bemerkten wir auch bei den Truckern. Sie waren mit vollem Elan dabei. 2 von ihnen gestanden uns: "Wir sind gestern schon mal durch die Stadt gesaust, weil wir es nicht erwarten konnten." Es war ein bunt gemischtes Team aus ganz Deutschland. Ein Fahrer aus Cottbus, ein anderer von der Nordseeküste, alle wollten ein Video und Bilder von der Aktion. "Das ist etwas, was wir unseren Enkelkindern erzählen können. Hier waren wir dabei" meinten sie. Helft-Sachsen.de wird dafür sorgen, dass sie dieses Video erhalten.

Ebenso möchten wir uns bei der Firma Tecklenborg (www.tecklenborg.de) bedanken, die für diesen Tag 2 Gabelstapler kostenlos zur Verfügung stellte. Auch Michael Liebe sei hier erwähnt. Er fuhr mit einem Kleintransporter den ganzen Tag die ersten Betroffen an und lieferte Material aus.

Insgesamt muss man sagen, dass die Organisation hochprofessionell zwischen den einzelnen Stellen funktioniert hat. Für die Stadt Roßwein hat Frau Aigner hierbei einen großen Anteil.

Wir alle hoffen, dass wir den Betroffenen der Stadt Roßwein und den umliegenden Gemeinden ein Freude machen konnten und somit auch ein weiteres Zeichen setzen konnten, dass Flutopfer nicht im Stich gelassen werden. Freuen würden wir uns, wenn weitere Firmen dem Beispiel von Rigips folgen würden, denn auch wenn man in den Medien nichts mehr hört, wird in den kleinen Orten noch jede Menge Hilfe benötigt. Helft-Sachsen.de hat sich genau auf diese kleinen Städte, die nicht im Medienmittelpunkt gestanden haben, spezialisiert.

 

Es gibt aber auch Negatives aus dem Vorfeld zu berichten:

So sagten uns zum Beispiel 2 TV Sender ab, als sie erfuhren, dass niemand von der Staatskanzlei aus Dresden anwesend sein wird. Es steht hier die Frage: Geht es um die Hilfe für Opfer oder um die Präsents von Politikern????

Völlig daneben lag auch der Radiosender "Jump". Auf unsere Anfrage einer Berichterstattung erhielten wir folgende E-Mail:

Hallo Jens,

vielen Dank fur deine Mail!

Fur Ansagen von Veranstaltungen auBerhalb unserer Events haben wir keine Sendeplatze im laufenden Programm eingeplant. Deshalb sehen wir momentan keine Moglichkeit euch weiterzuhelfen und hoffen ihr habt Verstandnis dafur. Vielleicht ist euch mit dem Hinweis auf unsere Kollegen von Sputnik geholfen. Sie betreuen auf ihrer Homepage www.sputnik.de eine Rubrik namens "Tipp X" in der aktuelle Veranstaltungen aufgenommen werden.

Bis bald, und bleib weiterhin ein treuer JUMP- Horer!

Also, uns auf einen Sender in Sachsen-Anhalt zu verweisen, obwohl die Aktion in Sachsen abläuft - naja, was soll man dazu sagen. Ebenso möchten wir Euch darauf hinweisen, dass Ihr als ein öffentlich-rechtlicher Sender (MDR) gesetzlich verpflichtet seid, objektiv über die Geschehnisse in Eurem Sendegebiet zu berichten. Dies muss und da geben wir Euch Recht nicht unsere Aktion sein, aber keinen Sendeplatz für "Events" (die nicht von Eurem Sender kommen) zu haben, entspricht nicht Eurem Rundfunkauftrag.

Sorry, liebe Leser von Helft-Sachsen.de, aber dies musste einmal gesagt werden.

Das es auch wesentlich besser geht, zeigen stellvertretend zwei der vielen anwesenden Printmedien:

 

Döbelner Allgemeine Zeitung

[PDF Dokument lesen]

 

Bild Zeitung

[PDF Dokument lesen]

 

 

Markus Schuster und Jens Richter

Helft-Sachsen.de

zurück