"Firmen in NOT - Fragen stellen sich."
 

In Berlin hörte man zur Wahl: Niemand wird es schlechter gehen als vorher.

Immer mehr kleine Firmen schreiben unserer Redaktion das Gegenteil. Da stellt man sich doch Fragen.

Hier ein Beispiel:

 

Sehr geehrter Herr Richter,
 
vielleicht können Sie unserer Firma durch Hinweise oder ähnliches helfen.
Unser Handwerks- und Familienbetrieb (10 Mitarbeiter) wurde stark vom Hochwasser getroffen. Das gesamte Grundstück mit Werkstatt, Lagern, das Erdgeschoss des Wohn- und Geschäftshauses wurde mit 2 m Hochwasser überschwemmt.
Dabei wurde der gesamte Warenbestand an Elektroartikeln, die technische Einrichtung unseres Betriebes von der Werkbank bis zum Regal, vor allem aber auch viele Werkzeuge, Maschinen und Prüfgeräte zerstört, die uns jetzt fehlen und neu angeschafft werden müssen.
Es wurde bisher ein Schaden von ca. 110.000,- Euro festgestellt und ca. 50.000,- Euro am Gebäude.
Bis jetzt haben wir die SAB-Hilfe (außer den 15.000,- ) noch nicht bekommen, auch ist es nicht nachvollziehbar, warum erst große Versprechungen der Hilfe gemacht werden und dann nur ca. 40 % bis 50 % der Schäden betrachtet werden. Die restlichen 60 % muss der Unternehmer wieder selbst finanzieren obwohl es noch alte Kredite gibt!

 

Dieser Brief erreichte uns am 21.10.2002.

Haben auch Sie dieselben Erfahrungen gemach oder können Sie helfen, dann Schreiben Sie uns bitte.
 

 

Das nächste Beispiel kommt aus dem Müglitztal:

 

3 Monate nach dem Hochwasser im Müglitztal


sieht es in unserer Firma, trotz guter Auftragslage gar nicht rosig aus.
Zu Situation:
Die Firma wurde am 01.08.2000 gegründet. Seither wurden Möbel hergestellt, Restaurationsarbeiten durchgeführt, Fußböden und Fenster eingebaut und vieles mehr.
Durch das Hochwasser im August 2002, nach nur 2 Jahren, wurde die Firma komplett zerstört.
Als Soforthilfe erhielten wir von der SAB 1500,00 € und 500,00 € / pro Mitarbeiter.
Seitdem flossen keinerlei Gelder. Bei der Kommune und bei der Handwerkskammer beantragte Hilfsgelder sind noch nicht da, ja noch nicht einmal bestätigt.
Auch eine Reaktion der Sächsischen Aufbaubank steht noch aus.
Von einer Firma  aus Paderborn erhielten wir 4000,00 € als Spende, diese muss jetzt zurück gezahlt werden, da die Firma keine Spendenquittung erhält. Nach Rückzahlung muss das Geld auf einem zentralen Spendenkonto bei der IHK eingezahlt werden und kommt dann vielleicht wieder uns zugute.
Seit 07.10.2002 arbeit die Firma wieder, allerdings in 2 getrennten Betriebsstätten, in Dohna das Büro und in Bannewitz bei Dresden, die Werkstatt. Allein für Mieten und die Finanzierung der notwendigsten Maschinen und Fahrzeuge werden monatlich ca. 4500,00 € benötigt. Dazu kommt dann noch der Materialeinkauf, um weiter produzieren zu können und die vorliegenden Aufträge abzuarbeiten.

Es ist dringend notwendig das die Gelder endlich fließen, denn sonst geht nichts mehr!
Wir brauchen also dringend Hilfe, umso unverständlicher ist es, dass Hilfsgüter von Seiten der Kommune, Herrn Bürgermeister Putzke, abgelehnt werden.
Eine Firma aus dem norddeutschem Raum wollte der Stadt Dohna eine Ausstellungsküche zur Verfügung stellen. Mit der Bemerkung „Küchen brauchen wir nicht.“ wurde diese Hilfe dankend abgewiesen. Unerklärlich, da es hier so viele Menschen gibt, die vor dem Nichts stehen.

So wie uns geht es hier im Müglitztal einigen um nicht zu sagen, allen Handwerksfirmen.
Auch Familien benötigen noch dringender Hilfe, zum Beispiel die Familie Christian Rehn.

Diese Familie mit einem Kleinkind verlor ihr Zuhause, da ihre Erdgeschoßwohnung durch die Flut sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, auch das gesamte Inventar wurde Opfer des Wassers. Inzwischen hat diese Familie dank der Hilfe von Verwandten und Freunden wieder eine neue Wohnung beziehen können. Die Aktion Lichtblick hat einen Scheck überreicht – aber das war’s dann auch. Eltern und Kind haben so viel verloren, dass es mit eigenen Mitteln wohl sehr schwer werden wird, wieder einen kleinen Lebensstandard zu erreichen. Dieser Familie wäre schon zu wünschen, wenn sie schnelle und vor allem unkonventionelle Hilfe erhalten würde.
 

Dieser Brief erreichte uns am 12.11.2002.

Haben auch Sie dieselben Erfahrungen gemach oder können Sie helfen, dann Schreiben Sie uns bitte.

 

 

In einem weiteren Brief lasen wir:

 

Dieser Firmenbeitrag regte mich an, mal meine eigene Geschichte zu erzählen.
Ich wohne in Colditz an der Mulde, habe kein Wasser in der Wohnung gehabt! Ich bin selbstständig seid 13.Juli 2002 und konnte während der Katastrophe sowie über mehr als einen halben Monat nach der Katastrophe nicht arbeiten, da die Telekommunikation völlig lahm gelegt war. Dies hat mich mindestens ein viertel Jahr zurückgeworfen und das noch so junge Unternehmen hat jetzt zu tun sich auf den Beinen zu halten. Keine Behörde, kein Mensch, wirklich Keiner sieht ein, dass auch wir Hilfe benötigen. Ich muss eine 5köpfige Familie ernähren und weis manchmal nicht wie ich Morgen das Brot bezahlen soll. Aufträge sind sage und schreibe davon geschwommen und wir fangen bei Minus 100 wieder an,...Nun war ich am Anfang mehr damit beschäftigt Anderen zu helfen, dass ist halt so, wer wenig hat gibt von dem wenigen auch noch ab (Habe viele Menschen kennen gelernt, die ohne mit der Wimper zu zucken am Tag danach ihre Schränke aufgemacht haben und ihre Geldbörse und einfach nur geteilt haben und nun dürfen solche hilfsbereiten Leute nicht eine einzige Spende bekommen,...)
Ich werd wohl nie die Geschichte vergessen, wo eine hochschwangere Frau ,die selbst eigentlich mittellos ist ,einer wildfremden Person, welche sie heulend auf der Straße trifft, ihre Tür aufmacht, ihr SACHEN und Kleingeld gibt ,ihr Mut zuspricht und nun hat die junge Mutter keine Möglichkeit in ein Spendenlager zu gehen und sich Sachen zu holen, ich würde sie gerne mal mitnehmen, auch tät ich ihr gern die 50 Euro spenden, die sie in der Not einer wildfremden Person gab,...
Ich weis nicht, ob ihr uns versteht, das ist sicher nicht immer leicht, aber ich würde gerne dem Handwerksbetrieb helfen, ich werd mich diesbezüglich mal umhören,...

Dieser Brief erreichte uns am 13.11.2002.

 

 

Ein weiteres Beispiel finden Sie hier:

Hallo,

leider hat es uns auch ganz schlimm erwischt. Wir hatten einen wunderschönen Garten von 1100 qm an der Elbe in Pirna mit einem Bienenstand von 32 Bienenvölker und ein Spielparadies für die beiden Enkelkinder verloren.

Alles wurde total zerstört, wir haben einen Verlust von dem gesamten Bienenstand, 8 Kaninchen und alles was im Garten mit der gesamten Anlage verloren.

Versicherungsschutz bestand aber nur für das Inventar, aber nicht bei Hochwasserschaden, der Abschluss wurde abgelehnt, wer hat auch jemals so ein Wasser erwartet, so da viele Städte in der unsagbaren Flut versunken sind.

Gesamtschaden ca. 30 000,00 €. Unterstützung gibt es aber für uns nicht, da es ja nur der Garten ist. Von der Imker Versicherung erhielten wir bei einem Schaden von ca. 10 000,00 € nur 2 296,00 €.

Bei der Versicherung legten wir natürlich gegen die Entscheidung Widerspruch ein, vielleicht hören wir einmal etwas.

Vom DRK erhielten wir jetzt eine Summe von 2 700,00 €.

Für meinen Verlust der Ware für mein Reisegewerbe ( Verkauf von Honig und Honigprodukten ) erhielt ich eine Soforthilfe von 1500,00 €. Jetzt haben wir wieder ein neues Grundstück von der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft erhalten, leider ohne Wasser - und Stromanschluss .

In der Nachbarschaft liegt zwar Wasser und Strom an, aber der Betreiber findet keine Möglichkeit, da wir uns einen Anschluss mit einem ordentlichen Vertrag legen lassen können.

Der neu Anschluss für Strom und Wasser soll bloß ca. 6 000,00 € für uns kosten. Diese Summe kann ja niemand aufbringen.

Jetzt haben wir eine Eingabe an den Oberbürgermeister der Stadt Pirna gemacht, haben aber bis jetzt noch keine Antwort.

Weiterhin verweigert uns die Versicherung Th. Funk & Sohn GmbH in Hamburg den Ersatz für neu gekauften Gläser und Futtermittel im Wert von 299 €, sowie keinen € für den verloren gegangenen Honig der im Garten war, gleichzeitig zahlen Sie auch nur für 15 Bienenvölker Ersatz und nicht für die anderen Bienen, die mein Mann als Hilfeleistung gegenüber der Rettungsleitstelle Pirna, des Landkreises Pirna im uneigennützigen Einsatz eingefangen hat.

Manchmal ist alles zum zu verzweifeln.

Außerdem sind wir beide mit der Natur zu sehr verbunden, deshalb machen wir weiter und bauen uns einen neuen Bienenstand auf, da mein Mann sein Hobby nun fast zu unserem 2. Standbein gemacht hat, denn wir bekommen ja in unserem Alter keine Arbeitsstelle mehr. Gleichzeitig entsteht wieder ein Spielparadies für unsere Enkelkinder.

Vielleicht erhalten wir noch einmal von irgendwo eine Unterstützung für unser Vorhaben.

 

Dieser Brief erreichte uns am 14.11.2002.

 

 

Auch Familienunternehmen die nicht unmittelbar von der Flut betroffen sind, haben Nöte durch die Flut:

 

Dringend Unterstützung für zwei Familien mit jeweils drei Kindern gesucht.

Beide Familien wohnen in Colditz an der Mulde (ca.20 Minuten von Grimma entfernt).

Durch das Hochwasser verloren beide Familien zwar nicht unmittelbar Hab und Gut ,es entstand aber ein beträchtliches Loch in der Haushaltskasse .Es sind Unternehmerfamilien, welche während und lange Zeit nach der Katastrophe nicht arbeiten konnten. Durch nicht funktionierende Grundvoraussetzungen für geregelte Arbeit in den Unternehmen , wie zum Beispiel :komplett lahm gelegtes Telekommunikationsnetz (über einen halben Monat), zeitweilig keinerlei Wasserversorgung , Unterbrechung von Gas und Strom ,und , und , und,…,war Geldverdienen einfach nicht möglich.

Leider hat diese Tatsache beide Unternehmen wirtschaftlich mindestens ein viertel Jahr zurückgeworfen und es entstanden existenzielle Probleme , welche die Grundversorgung , der zum Teil noch sehr kleinen Kinder in Gefahr brachten. Erschwerend kommt hinzu , dass beide Einzelhandelsunternehmen erst dieses Jahr gegründet wurden.

Bitte helfen Sie!!

 

Dieser Brief erreichte uns am 15.11.2002.

 

 

Anhand dieser kleinen Auswahl von Beispielen sehen Sie, dass die Folgen der Flut noch gar nicht abzuschätzen sind und die Probleme der Menschen erst jetzt richtig beginnen. Helft-Sachsen.de wird nicht alle Probleme lösen können, aber wir werden unsere bestmöglichstes geben, um Hilfe leisten zu können.

Bitte unterstützen Sie uns in diesem Vorhaben.

 


Jens Richter

Helft-Sachsen.de

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